"Willst zu meinen Liedern Deine Leier drehn?"

Projektleitung und Konzept

Helmi Vent

Composer-Performer

Chris Amrhein (Stimme)
Luis García Vázquez (Stimme)
Sigrid Gerlach (Akkordeon)
Barbara Schönewolf (Tanz)
Jaro Vent (Posaune)

Projektort

Großes Studio der Hochschule Mozarteum Salzburg

Aufführungen

27.04., 28.04., 29.04.1995 und 01.06.1995

Gastspiele

12.07.1995 Alexander Theater, Monash University Melbourne im Rahmen der "International Conference of Music and Dance", Melbourne (Australien)
17.07.1997 Baxter Concert Hall, University of Capetown im Rahmen von "CONFLUENCES - International Conference on Music and Dance in connection with the 15th Symposium of Ethnomusicology", Capetown (Südafrika)


1995

Chris Amrhein und Luis Garcia Vazquez

Eine szenische Befragung zum sogenannten 'Eigenen und Fremden' nach der gleichnamigen Schlussfrage im Gedicht- und Liederzyklus "Winterreise" von Wilhelm Müller und Franz Schubert
TanzMusikTheaterWerkstatt. Salzburg, April 1995; Melbourne (Australien), Juli 1995; Cape Town (Südafrika) Juli 1997

Zum Stück

Willst zu meinen Liedern Deine Leier drehn? befragt vermeintliche 'Normalitäten' und 'Befremdlichkeiten' menschlichen Zusammenlebens. In dem Neben- und Miteinander körperlich-musikalischer Beziehungsformen sind die Musiker des Stückes in Bewegung anzutreffen. Im polyphonen Spielort einer Straßensituation streifen sie flüchtig den Lebens(Klang-)raum eines anderen, nähern sich an, bleiben sich fremd, grenzen sich aus, werden ausgegrenzt, treten aber auch in einen Dialog mit einem Anders-Sprechenden.

Hier setzt das Stück mit seiner Fragestellung an:
Wie finden wir Codes zur Verständigung mit dem anderen, der uns vor dem Hintergrund  der eigenen Sozialisation als fremd erscheint? Wie modifiziert sich die Frage - in Schuberts Leiermann (aus dem Zyklus Die Winterreise) von einem Verlassenen an einen Außenseiter gerichtet  –  im eigenen lebensgeschichtlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Kontext?

Während des einjährigen Arbeitsprozesses gab es zunächst leiblich-klangliche 'Vorstellungen' von persönlich Liebgewordenem sowie Reaktionen auf die eigene Klang- und Körpersprache des anderen, z.B. auf den immer wiederkehrenden, einschmeichelnden Tango der Akkordeonspielerin (Sigrid Gerlach), auf das rotzige Benehmen und die rüden Stimmklänge des Penners (Chris Amrhein), auf die ironisierenden, grotesken Gesten samt den spanischen Liedern des zwielichtigen Garçon (Luis García Vázquez), auf den Leib- und Magen-Blues des Posaunisten (Jaro Vent), auf die ganz andere, nämlich abstraktere, indirektere Sprache der Tänzerin (Barbara Schönewolf), die sich mit dem eher stummen als klingenden Klavier auf eine ebenfalls 'wunderliche' Art auf Wanderschaft begibt.

So entstanden im Laufe des Improvisationsprozesses – meist in dialogischer Form – verschiedenste Versatzstücke, teilweise brüchige, flüchtige Formen im  Nebeneinander, Unschärfen in ihren Verständlich- wie Unverständlichkeiten, bei denen sich das Schubertsche Zitat aus dem Schlusslied der Winterreise insgesamt dreimal nach außen wagt.

Es ist letztendlich die Frage, was  bei unseren alltäglichen Begegnungsversuchen dem vielschichtigen Begriff der 'harmonia' zugrunde gelegt wird. Welche Konsonanzen und Dissonanzen, Vor(be)halte, Zwischentöne haben in unserem Klang- bzw. Weltbild überhaupt Platz? Anregend scheint dabei  die Frage zu sein, durch welche Einflüsse die Ein-Drücke von 'harmoniefremden' Klängen und Positionen in uns entstanden sind?

Das vermeintlich Fremde kann sich dabei als äußerst verwandlungsfähig entpuppen und mischt sich mitunter in die sympathische  Philosophie Arnold Schönbergs: 'Dissonanzen sind lediglich ferner liegende Konsonanzen'.

Die Dreckstöne des verlotterten Penners sind am Ende des Stückes dieselben, auch die wenig feine Art bleibt die ihre. Was sich durchsetzt, ist ein Berühren und Berührt-Werden im konkret körperlichen und übertragenen Sinn, was den Dialog-Partnern hilft, wieder auf die Beine zu kommen. Ein Weg ist nicht vorgezeichnet, er wird im Schubertschen Lied eingeleitet mit dem offenen Quintton der fragenden Schlussmelodie; in unserem Stück intensiviert der Penner die Ungewissheit der Situation, indem er auf der kleinen Sext der Akkordeontasten fragend 'hängen' bleibt. Die Offenheit der Fremde scheint ihm am meisten vertraut; sie gehört bereits zu seinem Erfahrungsschatz.

Helmi Vent

Presse

"Suche nach Kommunikation" von Anja Stiller-Reimpell
Salzburger Nachrichten, 29.04.1995

Video

"Willst zu meinen Liedern Deine Leier drehn?"

Eine Filmdokumentation zur gleichnamigen Musik- und Tanztheaterperformance mit der TanzMusikTheaterWerkstatt, Hochschule Mozarteum Salzburg
Konzeption, Inszenierung, Performer, Projektort, Aufführungen, Gastspiele: siehe oben (Projekt Info)
Bühnenbild: Jaro Vent. Kamera: Coloman Kallós, Mathias Berghoff, Matthias Mädel
Tonaufzeichnung: Chris Amrhein, Matthias Mädel. Videoschnitt: Chris Amrhein, Helmi Vent
Audio- und Videomischung und Mastering: Chris Amrhein
Filmproduktion: Helmi Vent – Hochschule Mozarteum Salzburg © 1996, ReEdition © 2004

Videofilmpräsentation "Willst zu meinen Liedern Deine Leier drehn?"
am 19.10.2004 im Zentrum im Berg, Fürbergstraße 18-20, 5020 Salzburg, 19:30 Uhr

Filme

 "Willst zu meinen Liedern Deine Leier drehn?"

Ausschnitt aus dem Performancefilm (siehe oben: Film Intro)
Mit Chris Amrhein (Stimme) und Luis García Vázquez (Stimme)
Länge: 2'54"
Filmproduktion: Helmi Vent

Bilder

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